Marseille: 11.10. 2015 – 18.10.2015

Im Rahmen unseres Aufenthaltes in Marseille lernten wir das Viertel „La Rougière“ kennen. Hier wohnen und leben mit ihren Kindern zahlreiche Familien, die aus den Ländern des Maghreb kommen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels stellt das centre social zahlreiche Projekte bereit, so zum Beispiel Sprachkurse für die Eltern.

Für die Jugendlichen und Kinder haben wir zwei Projekte kennengelernt:

addap 13 „éduquer dans la rue“

Ein Projekt der Straßensozialarbeit (addap 13 „éduquer dans la rue“) soll der gesellschaftlichen Ausgrenzung und der Gefahr der Straffälligkeit vorbeugen. Die Jugendlichen werden durch gemeinnützige Aufgaben beschäftigt und entlohnt. Während ihrer Tätigkeiten können sie ihre Fähigkeiten entdecken und werden so motiviert, ihren Lebensweg mit professioneller Begleitung, neu zu gestalten. Speziell für minderjährige Migrantinnen und Migranten gibt es Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, die in mobilen Teams rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

 

Das Mal-Atelier des centre social in Zusammenarbeit mit der Vereinigung „Arts et Développement“

Ein weiteres Angebot hält das centre social in Zusammenarbeit mit der Vereinigung „Arts et Développement“ bereit. Es richtet sich an Kinder, die Zugang zur Kultur erhalten und sich in der aktiven künstlerischen Betätigung unter der Leitung eines anerkannten Künstlers entfalten sollen.

Das Mal-Atelier ist bewusst die Straße, ein öffentlicher Raum, der durch die Nutzung positiv aufgewertet wird und dazu auffordern kann, den Lebensraum des Viertels positiv zu gestalten. Eine jährliche Ausstellung der systematisch gesammelten Werke der Kinder dokumentiert die bereichernde Wirkung der  jungen Künstler.

In der Grundschule des Viertels werden 169 Schüler unterrichtet. Es besteht ein regelmäßiger Austausch zwischen den Eltern, Erzieherinnen und Erziehern sowie der Schulleitung in Form eines Elterncafés und den Einzelgesprächen, die am Ende jedes Trimesters stattfinden.  Die Kinder mit Lernschwierigkeiten erhalten in Kleingruppen von 6 Schülerinnen und Schülern Förderunterricht.

In dem 12. Arrondissement von Marseille lernten wir das Collège Germaine-Tillon kennen. Die Schule hat über 600 Schülerinnen und Schüler und ist von der 6ème bis zur 3ème sechszügig. Schülerinnen und Schüler mit Lernschwierigkeiten werden im Klassenverband inklusiv und mit zusätzlichen Förderstunden unterrichtet.

Das französische Schulsystem ist ähnlich wie das deutsche System sehr differenziert und ermöglicht auch lernschwachen und schulabstinenten Kindern und Jugendlichen, Möglichkeiten der Förderung und des Wiedereinstiegs, wie zum Beispiel die „classe passerelle (20 Personen). Sie wird besucht von Schülerinnen und Schülern, die Lernrückstände aufweisen und nach drei Jahren wieder der Regelklasse zugeführt werden können. Eine andere Form der  Förderung erfolgt in Kleinklassen (16 Personen) mit Berufsorientierung und Betriebspraktika (Segpa:Section d'enseignement général et professionnel adapté). Schülerinnen und Schüler mit gravierenden Lernproblemen, die oft mit familiären Problemen einhergehen, werden mit besonderen Methoden und mit Arbeiten, die der unmittelbaren Sinnstiftung dienen, unterrichtet. Auch in diesen Klassen – classe relais genannt – ist die Rückführung in eine Regelklasse vorgesehen. 

Für die berufliche Bildung steht den Jugendlichen, die keinen Schulabschluss haben, das Angebot der Schule der 2. Chance zur Verfügung. In einem Zeitraum von 6-7 Monaten und einem zusätzlichen Betreuungsjahr werden nach erfolgreicher Vermittlung von Bildung, von sozialer Kompetenz und von Projekten die berufliche Eingliederung in Form eines Ausbildungsplatzes oder einer Anstellung angestrebt. Seit Gründung dieser Schule wurden 5000 Jugendliche im Alter von 18-25 Jahren auf diese Weise unterrichtet.