Zu schade, um nur gelegentlich beachtet zu werden:
Wanderausstellung über Adolf Reichwein eröffnet

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„Wer sich einmal mit Adolf Reichwein beschäftigt hat, ist von seinem Leben fasziniert“, erklärte Lehrer Reiner Uhlig, der neben seiner Kollegin Sabine Waskönig sowie dem Künstler und Medienarbeiter Matthias Schellenberger seit 2012 zu den Machern der Wanderausstellung gehörte, die bei der Ausstellungskonzeption eng mit Sabine Reichwein, die früher selbst Lehrerin war, zusammenarbeiteten. „Reichwein war ein Abenteurer, Pädagoge und Widerstandskämpfer“ sagte Uhlig. Er sei ein leidenschaftlicher Pilot gewesen und habe die USA 1926 auf eigene Faust mit einem umgebauten Ford Modell T bereist. „Reichwein trat erst 1930 in die SPD ein. 1933 versetzten ihn die Nazis aus politischen Gründen als Dorfschullehrer nach Tiefensee, obwohl er vorher Professor an der Pädagogischen Hochschule in Halle war“, erzählte Uhlig vor der Ausstellungseröffnung: „Er war ein undog-matischer Sozialist, der als Mitglied des Kreisauer Kreises die Verbindung zu den kommunistischen Widerstands-kämpfern hielt.“

Ohne die Arbeit des Künstlers Matthias Schellenberger (r.), der die Medienwerkstatt der Schule leitet, wäre die Wanderausstellung aber sicherlich nicht zustande gekommen. Finanziert wird seine Stelle durch den von Sandra Maischberger gegründeten Vincentino e. V., der sich besonders der Förderung benachteiligter Jugendlicher widmet. „Ich hätte Reichwein gerne kennengelernt. Gerade in Zeiten wie jetzt, in denen viele politische Spinner durch die Gegend laufen. Er ist ein Seelenverwandter für mich“, erklärte der Medienarbeiter mit dem Künstlernamen MASCH und erhielt von den Gästen der Feierstunde spontanen Beifall für diese unmissverständlichen Worte.

„Ich bin stolz, Patin dieser Schule zu sein“, sagte Sabine Reichwein (l.). Sie berichtete von Treffen, die in Tiefensee und auf der Insel Hiddensee zur Vorbereitung der Wanderausstellung stattfanden. „Mein Vater hat schon frühzeitig erkannt, wie wichtig Film und Foto für den Medieneinsatz im Unterricht sind.“ Eine kommentierte Neuausgabe seiner Tiefenseer Schulschriften, trägt den Titel „Schaffendes Schulvolk – Film in der Schule“.

Einig waren sich an diesem Nachmittag alle in der neuen Cafeteria versammelten Reichwein-Experten darin, dass die Wanderausstellung zu schade sei, um unbeachtet in einem Raum zu stehen und nur gelegentlich hervorgeholt zu werden. „Die Ausstellung passt in meinen VW-Bus“, ermunterte Matthias Schellenberger alle potenziellen Ausleiher. Bezirksstadtrat Jan-Christopher Rämer nahm das Angebot gerne an. „Die Wanderausstellung zum Leben und Wirken von Adolf Reichwein passt wunderbar neben die Dauerausstellung über den Widerstand in Neukölln, die im Rathaus vor dem BVV-Saal steht“, sagte er am Ende der Feierstunde.

=Christian Kölling=